Die Ernährung
Biologie und Verhalten
Eierschlangen sind die einzigen Schlangen, die sich nicht von Fleisch ernähren, sondern
ausschließlich durch Oviphagie, also durch Fressen von Eiern. Dabei ist
Oviphagie bei Schlangen keine Seltenheit. Viele Schlangengattungen bereichern ihren Speiseplan
neben der Fleischkost mit Eiern. Dazu gehören unter anderen Drymarchon corais (Indigonatter),
Elaphe obsoleta (Erdnatter), Elaphe longissima (Äskulapnatter), Elaphe quatuorlineata
(Vierstreifennatter), ... .
Dabei hat sich wahrscheinlich unabhängig voneinander die gleiche Spezialisierung
einschließlich anatomischer Besonderheiten bei zwei Gattungen der Familie Colubridae
entwickelt. Dies sind die Afrikanische Eierschlange (Dasypeltis) und die Indische Eierschlange
(Elachistodon westermanni).

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Beide haben Hypapophysen, also zahnartige, mit Zahnschmelz überzogen Dornfortsätze an den
24. bis 30. Rückenwirbeln, die in die Speiserähre hineinragen. Wird ein Ei an diesen
vorbeigedrückt, wird die Schale durch zuckende Bewegungen der starken Halsmuskulatur
längs zersägt und durch starke Kontraktion zerdrückt. Der flüssige Inhalt des Eies
fließt in den Magen. Die Eierschale wird in einem kleinen Paket wieder ausgewürgt. Dadurch kann eine
größere Menge Eier aufgenommen werden. Das ist wichtig, da Eier in der Natur ja
Saisonwaren sind und nicht ganzjährig uneingeschränkt zur Verfügung stehen.
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Eine ähnliche Methode hat sich bei
Elaphe quatuorlineata (Vierstreifennatter) (externer Link) entwickelt.
Alle anderen Schlangen zerstören die Eierschale hingegen durch starkes Winden des
Körpers. Außerdem verbleibt die Eierschale bei diesen in der Regel
im Körper und wird mit dem Kot ausgeschieden.
Eierschlangen können am verschlossenen Ei riechen, ob es noch frisch ist. Dabei kann auch
ein vier Wochen altes Ei noch frisch genug sein. Ich habe sogar schon Eier verfüttert, die 20
Tage bebrütet wurden und sogar schon ein deutlich entwickeltes Adernnetz enthielten. Der
Embryo war allerdings bereits nach ein paar Tagen Brutzeit vermutlich durch Unterkühlung
abgestorben.
Eierschlangen fressen in der Regel Vogeleier, aber auch Geckoeier und
Eier der großen "Afrikanischen Archatschnecke" (Achatina marginata) sollen schon erfolgreich
verfüttert worden sein. Es können Eier bis zur vierfachen Größe des Kopfes
gefressen werden, da das Maul
beängstigend weit aufgerissen werden kann. Die Kieferknochen sind
elastisch durch Bänder verbunden. Die Bezahnung fehlt im vorderen Bereich der Schnauze
völlig, im hinteren Bereich ist sie nur sehr unterentwickelt vorhanden, da die Zähne
beim Fressen nicht benötigt werden oder gar stören würden. Die Schlange stülpt
ihren Kopf regelrecht über das Ei, bis es im Körper verschwunden ist. Das oft riesige,
heile Ei kann im Körper der Schlange genau verfolgt werden. Sobald das Ei die
Hypapophysen erreicht hat, richtet sich die Schlange vorne auf, um mit ihrem Körper das Ei
gegen diese Fortsätze zu drücken bis die Eischale durchbrochen ist. Der Inhalt
fließst in den Magen und die Schale wir wieder ausgewürgt.
-> Fotos vom Fressvorgang findet Ihr
-> hier <- (externer Link).
-> Ein Video (1,8 MB)
vom Fressvorgang findet Ihr
hier
(externer Link auf www.zoobasel.ch).
Sollte es Probleme beim Abspielen des Videos geben, das Video auf die Festplatte laden
und von dort abspielen.
Auch in der Ratesendung Kopfball (WDR) ein Eierschlangen-Video gezeicht und Fragen dazu gestellt.
Die Sendung könnt Ihr Euch hier ansehen.
In der fehlenden Bezahnung ist auch die Verteidigungsstrategie der Afrikanischen
Eierschlange begründet. Die zahnlose, ungiftige Schlange ist eigentlich wehrlos. Das versucht
sie zu vertuschen, indem die Zeichnung einer jeweils in der gleichen Region lebenden Giftschlange
(Viper) nachempfunden ist.
Zudem reibt sie die Körperschuppen aneinander, so daß ein rasselndes Geräusch
entsteht was durch Fauchen noch untermalt wird. Der Hals wird seitlich platt abgespalten und das
Maul so weit geöffnet, daß die Mundschleimhaut sichtbar wird. Wenn die
Eierschlange zubeißt, beißt sie absichtlich daneben, damit der Gegner das Fehlen der
Zähne nicht bemerkt.
Ernährung in Gefangenschaft
Das wichtigste Argument für oder gegen die Haltung von Dasypeltinae dürfte
wohl die Beschaffung der Nahrung sein. Die überall erhältlichen
Hühnereier können nur von ausgewachsene Weibchen der größeren
Unterarten (z.B. D. scabra) ab einer Körperlänge von ca. 80 cm verschlungen
werden. In der Regel füttert man abhängig von der Größe des Tieres
Eier von Singvögeln (insbesondere Finken) oder Wachteln. Die Eier stammen von
Vogelarten, die entweder besonders legefreudig sind oder in großen Zahlen
gehalten werden: Zebrafinken, Japanische Möwchen, Chinesische Zwergwachteln,
Wachteln, Tauben. Man muß also entweder die Versorgung durch einen Vogelhalter
sicherstellen oder selber Vögel halten. Wachteleier können auch im
Feinkostgeschäft gekauft werden. Links zu einigen Wachtelei-Versendern
sowie einige Vogelhalter, die Eier abgeben, findet Ihr in der
Eierbörse.
Die Eier sollten Raumtemperatur haben. Einige Tiere (insbesondere
Wildfänge) sind empfindlich gegen Fremdgerüche auf den Eiern. Hat man eine solche
Schlange, sollte man die Eier nicht mit blosen Händen anfassen und die Eier nicht
waschen. Wachteleier aus dem Supermarkt sind leider häfig schon im Geruch verfremdet
Wie oft und wie viel wird gefüttert ?
Die meisten Halter füttern ihre Schlange ca. alle 10 - 14 Tage. Aber auch einmal
im Monat kann ausreichend sein. Es werden in der Regel mehrere Eier bei einer
Fütterung genommen. Junge Schlangen im ersten Jahr fressen ca. 1 - 2 Eier pro Woche.
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A=Zebrafinkenei | B=Wellensittichei | C=Wachtelei | D=Hühnerei
Bild mit freundlicher Genehmigung von
Vogelzucht-Lahnau.
© Friedel Bernhardt
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Lagerung von Eiern
Wenn man Eier auf dem Versandwege erhält, sind die Frachtkosten oft höher als
der Warenwert. Darum bietet es sich an, auf Vorrat zu kaufen. Auch jahreszeitliche
Gründe machen es unter Umständen erforderlich, Eier länger zu lagern,
da Vögel in der Regel im Witter keine oder nur ausnahmsweise Eier legen.
Die hier beschriebenen Methoden lassen sich nicht bei allen Schlangen anwenden, da jede
Schlange auf Mainpulationen und die dadurch auftretenden Geruchsveränderung anderes reagiert.
Man sollte einfach versuchen, mit welcher Methode man Erfolg hat.
Zwar wird man in jedem guten Haushaltsbuch lesen, daß Eier nicht eingefroren
werden können, es ist aber für unseren Zweck trotzdem möglich. Andre
Utecht hat mir hierzu einige Tips nach seinen Erfahrungen gegeben.
Größere Eier (z.B. Taubeneier) kann man einfach in einem Eierkarton
einfrieren. Dabei platzen nur etwa 10 % der Eier und werden unbrauchbar.
Kleinere Eier (z.B. Zebrafink, Wellensittich, Wachteln) friert man in einer
kleinen Schüssel mit Wasser ein. Größe Eier platzen bei dieser Methode
jedoch. Vor dem Verfüttern müssen die Eier wieder auf Raumtemperatur gebracht
werden. Hierzu benötigt ein Ei je nach Größe ca. 1 Stunde.
Eine weitere Methode der Vorrathaltung ist das Sammelm von ausgeblasenen Eieren in Zeiten
des Überflusses. Dazu wird
oben und unten in die Eierschale ein kleines Loch mit einer Nadel gebohrt und das Ei ausgeblasen
oder mit einer Spritze ausgesaugt. Die leeren Eierschalen sind jetzt
natürlich unbegrenzt haltbar. Später kann das leere Ei einfach mit einer Spritze
mit Nadel wieder mit gequirltem Hühnerei (und ggf. Vitaminen) gefüllt werden. Die
Löcher werden mit einem winzigen Stückchen Küchenpapier verklebt.
Zwangsernährung
Hat man keine Eier in der passenden Größe zur Verfügung oder frisst die
Schlange nicht alleine, muß sie mit einer Magensonde zwangsernährt werden.
Diese Prozedur ist natürlich anfänglich für Mensch und Tier etwas
unangenehm und man sollte nicht zu vorschnell zu dieser Methode greifen, da eine
Zwangsfütterung immer Streß für die Tiere bedeutet. Ein Neuerwerb z.B.
frißt, häufig erst nach ein paar Wochen der Eingewöhnung. Wie schwierig
eine Zwangsfütterung wirklich ist, kann ich nicht sagen, da ich noch keine
durchgeführt habe. Im Zweifel sollte man lieber einen erfahrenen Tierarzt
aufsuchen. Folgende Beschreibung habe ich in einer englischsprachigen Newsgroup
gefunden:
Das Maul läßt sich leicht öffnen, indem man ein Streichholz von der
Seite hinein führt. Es sollte kein Zahnstocher genommen werden, da die Spitzen den
Mundraum verletzen können. Das Maul wird offen gehalten, indem das Holz quer
hinein gelegt wird.
Gefüttert wird verquirltes Ei einer beliebigen Vogelart - in der Regel Hühnerei.
Es können ggf.Vitamine untergemischt werden.
Es werden ca. 1 - 3 Esslöffel Ei pro 30 cm Schlangenlänge in eine
Spritze gezogen. Auf diese wird ein weicher, flexibler Katheder gesteckt. Dieser sollte
ca. 3mm Durchmesser oder maximal den halben Schlangendurchmesser haben.
Bei kleinen Schlangen
wird häufig ein Gummischlauch aus einem alten Fahrradventil verwandt. Dieser ist so
kurz und flexibel, dass der Schlange keine inneren Verletzungen zugefügt werden
können. Die Spitze des Gummischlauches wird mit etwas Ei als
Gleitmittel eingeschmiert. Langsam und vorsichtig schiebt man nun die Magensonde der
Schlange in den Hals, bis man einen leichten Wiederstand spürt. Dann noch ein ganz kleines
bisschen weiter - aber Vorsicht - wird die Speiseröhre durchsgestochen, wird die Schlange
warscheinlich sterben. Die Schlange wird währenddessen mit
der anderen Hand hinter dem Kopf festgehalten. Man kann die Schwerkraft zur Hilfe nehmen und
den Kopf dabei etwas in die Höhe halten.
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